Absinthe Makes The Heart Grow Fonder
20. Juli 2010
So wie ich das sehe, und ich mag meine Sicht der Dinge (ich erwähne das nur, weil ich glaube, die meisten tun das nicht; also ihre eigene Sicht der Dinge mögen, nicht meine), gibt es zwei Arten von Menschen, vorausgesetzt man bricht all ihre Charakteristika und Wesenszüge so weit herunter, bis nur noch zwei Unterscheidungsmöglichkeiten übrig bleiben: Menschen, denen es egal ist und Menschen, denen es nicht egal ist.
Furchtbar, so ein Anfang, oder? Jeder Hans aus Tuttlingen fängt seine Suff-Reden auf dem Schützenfest so an. Oder so ähnlich. Er meint vielleicht: Menschen, die auf Tampons schießen und Menschen, die auf Fasane schießen. Mister Doktor House unterschied auch mal zwischen Menschen, die gut sind, solchen, die gut werden wollen und jenen, die aufgegeben haben.
Und natürlich kann man auch hier (wie überall, leider Jahwes) popkulturelle Anspielungen mitverweben. Beispiel: Menschen, die die eine Beatles-Platte mit ins Grab nehmen und Menschen, die eine Wu-Tang-Platte mit ins Grab nehmen. Aus der deutschen Kopfnicker-Ecke vielleicht: Menschen, die Samy mögen und Menschen, die Savas mögen. Die ganz verbohrten Musik-Spastis unterscheiden sogar zwischen Menschen, die um Michael Jackson getrauert haben und Menschen, die Willy DeVilles Tod viel tragischer fanden (und was ist mit ODB, ihr Wichser?).
Für die Nerds gibt es sowas wie: Menschen, die Binärcode verstehen und Menschen, die Binärcode nicht verstehen. Dann so konsumpolitische Sachen wie: Menschen, die einen iPod haben und Menschen, die sich nicht blenden lassen. Nicht zu unterschätzen wären so länder-spezifische Unterscheidungen wie Menschen, die bei Migros einkaufen und Menschen, die bei Coop einkaufen.
Elitär-snobistsch: Menschen, die Bafög beziehen und Menschen, die kein Bafög beziehen. Immer noch elitär, aber nicht mehr so persönlich: Menschen, die wissen, wann es dass heißt, und wann das und, naja, Menschen, die es nicht tun. Alternativ: Menschen, die nämlich mit h schreiben und wieder Menschen, die es nicht tun. Das von der orthographischen Front.
Dann natürlich so Standard-Dinger wie: Menschen, für die das Glas halb voll ist und Menschen, für die es halb leer ist (wobei man in beiden Fällen facepalmen mag und fragen sollte: wieso?). Menschen, die ihre Zunge rollen können und Menschen, denen das nicht möglich ist, und so weiter.
Auch der ewige Alkoholklassiker: Menschen, die Bier trinken und Menschen, die Wein trinken. Wobei mir auch hier immer die dritte Kategorie fehlen wird: Menschen, die Absinth trinken. Damit würde ich ganz gerne wieder den Bogen zum Anfang spannen (meine Damen und Herren: ein stilistisches Mittel). Menschen, denen es egal ist, sind meistens Absinth-Trinker. Meiner Erfahrung nach. Menschen, denen es nicht egal ist, sind es nicht.
Woran das liegt? Kein Plan. Mögen Menschen, denen es nicht egal ist, den Geschmack nicht, weil sie generell mehr Hustensaft trinken, weil ihnen ihre Gesundheit am Herzen liegt (wobei die Gesundheit eines jeden Menschen am Herzen liegt, wenn ihr versteht, was ich meine; was ihr wahrscheinlich nicht tut)? Oder haben Menschen, denen es egal ist, einfach nicht so den Schiss davor, von einer grünen Fee in einen Moor gelockt zu werden? Unwahrscheinlich zugegeben. Vielleicht will ich mit dieser Unterscheidung auch nur cool rüber kommen. Wahrscheinlicher.
Feststeht jedoch: ich mag Menschen, denen es egal ist und die Absinsth trinken. Und ich kann nur hoffen, dass dies nicht auch wieder eine Kategorie einer Unterscheidung ist und die andere wäre: Menschen, die Menschen, denen es egal ist und Absinsth trinken, nicht mögen. Kategorien in Kategorien. So lange, bis McLuhan auch keine Lust mehr hat.
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